Forschung

Meine Forschungsschwerpunkte liegen in der Wirtschaftspsychologie, insbesondere im Bereich der Mensch-Computer Interaktion und User Experience. An meine Forschungen zur Wahrnehmung und Nutzung von Internet und interaktiven Produkten schließen sich Arbeiten zu Personalmarketing, Recruiting, Evaluation und in angewandten Feldern der Wirtschaftspsychologie an. Zentrale Eigenschaft meiner Studien ist, sowohl praxisnahe Themen zu behandeln, als auch zugrundeliegende Determinanten mit fundierten Methoden der Grundlagenforschung zu identifizieren. Dabei ist mir eine aktive Gestaltung des Forschungs-Praxis-Transfers wichtig. Gegenwärtig verfolge ich in meiner Forschung verschiedene Schwerpunkte:

User Experience

User Experience ist in der Wirtschaftspsychologie ein relativ neues und innovatives Forschungsgebiet mit engen Kontaktpunkten zu Feldern wie Informationstechnologie, Marktforschung oder Arbeitswissenschaften. [Wer sich fragt, was User Experience eigentlich ist, dem sind die Beiträge aus unserer Session zu diesem Thema im Rahmen der Usability Professionals 2009 zu empfehlen.]

Zentrale Fragestellungen meiner Forschung im Bereich der User Experience sind
a) wie Menschen Neue Medien und interaktive Technologien wahrnehmen,
b) wie sich diese Erfahrungen erfassen lassen und
c) welche Konsequenzen sich aus User Experience für Privat- und Arbeitsleben ergeben.

Zu a): In der Untersuchung der Wahrnehmung ist besonders der Ersteindruck entscheidend, sowie die Frage, wie sich dieser auf die Bewertung eines Produkts, eines technischen Systems, oder einer Organisation auswirkt. In diesem Forschungsbereich kombiniere ich in einem kognitiv-perzeptuellen Zugang experimentelle Methoden mit der anwendungsnahen Untersuchung großer Sets von Stimuli wie bspw. Unternehmenswebsites verschiedener Branchen. In diesem Kontext arbeite ich regelmäßig mit Prof. Dr. Gerrit Hirschfeld (Hochschule Osnabrück) zusammen.

Zu b): In dieser Forschungslinie stellt sich die Frage, wie sich das Erleben von Technik und Medien psychometrisch angemessen erfassen lässt. Hier habe ich verschiedene Methoden der experimentellen und nicht-experimentellen Analyse von User Experience erprobt und eine Reihe standardisierter Fragebogeninstrumente zur Erfassung von Aspekten der User Experience wie Ästhetik, Usability, Inhalt oder Glaubwürdigkeit entwickelt und validiert. Insbesondere das in Kooperation mit Prof. Dr. Morten Moshagen von der Universität Kassel geschaffene Visual Aesthetics of Websites Inventory (VisAWI) hat sowohl in der Forschung als auch in der Praxis national und international Beachtung gefunden.

Zu c) Der Analyse und Erfassung grundlegender Wahrnehmungsprozesse schließt sich die Frage nach den Konsequenzen von User Experience für private und Unternehmenskontexte an. Dabei sind die Wirkung von Gestaltungsvariablen auf persönliches Erleben, Nutzung sowie Performanz und Arbeitsleistung im Fokus meiner gegenwärtigen Projekte. In einem longitudinalen Ansatz werde ich den Entscheidungs- und Handlungsprozess der User inklusive einer Bestimmung des (monetären) Nutzens, näher untersuchen. Kooperationspartner in diesem Bereich sind Rafael Jaron (Nordlight Research GmbH), Prof. Dr. Stefan Klein (Westfälische Wilhelms-Universität Münster; European Research Center for Information Systems), Dr. Andreas Sonderegger (Université de Fribourg, Schweiz) und Dr. Alexandre Tuch (Universität Basel, Schweiz).
Der Frage der Konsequenzen von User Experience für die virtuelle Teamarbeit gehe ich seit 2011 in einer Forschungskooperation mit Prof. Dr. Russell Haines (Old Dominion University, USA) nach. In dieser Forschungslinie stellt sich die zentrale Frage, wie sich gute Interface-Gestaltung auf die Leistung eines virtuellen Arbeitsteams auswirkt.

Personalmarketing & (E-)Recruiting

Viele meiner Erkenntnisse aus dem Bereich User Experience fließen in die Betrachtung klassischer wirtschaftspsychologischer Themen aus dem Bereich Personalmarketing und Personalauswahl ein. Zudem kann ich hier meine methodischen Erfahrungen aus der psychologischen Diagnostik mit der Praxis der Organisationspsychologie verknüpfen. Neben Fragen der Ausgestaltung von Personalmarketingmaßnahmen und der Gewinnung von Fachkräften steht dabei besonders die Wahrnehmung der Bewerber in (E-)Recruiting-Prozessen im Fokus. Es geht hierbei beispielsweise um die Frage, wie verschiedene Personal- oder Recruitingmaßnahmen auf Bewerber wirken oder wie diese so zu optimieren sind, dass Bewerber fair und gerecht behandelt werden. Viele der Arbeiten in diesem Bereich führe ich in Kooperation mit Praxispartnern durch, insbesondere ist hier eine langjährigen Zusammenarbeit mit Simon Schmidt-Bussmann und der BASF Coatings AG Münster zu nennen. Fragestellungen der weitergehenden Personalauswahl nach der Rekrutierung schließen sich inhaltlich logisch an und wurden beispielsweise in einem gemeinsamen Projekt mit der kibit GmbH (seit 2014 CREWS & CAPTAINS GmbH) hinsichtlich der Optimierung von Tablet-PC-gestützten Einstellungsinterviews behandelt.

Angewandte wirtschaftspsychologische Forschung

Studien zu angewandten Fragestellungen der Wirtschaftspsychologie ergeben sich vor allem aus meiner akademischen Tätigkeit in der BFO: Zur Förderung der angewandten Wirtschaftspsychologie und des Forschungs-Praxis-Transfers hat das Institut für Psychologie an der Universität Münster die BFO (Beratung und Fortbildung für Organisationen) als Teil der Arbeitseinheit Organisations- & Wirtschaftspsychologie geschaffen. Die BFO führt einen engen und partnerschaftlichen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis in verschiedenen Projektformen durch. Zu den Projektpartnern gehören kleine, regionale und mittelständische Unternehmen bis hin zu Großunternehmen wie BASF Coatings, Deutsche Post DHL, Microsoft, Puma oder Siemens.
Weitere Forschungen resultieren aus meiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Berater, insbesondere für die Team Meuter GmbH. Neben Arbeiten aus den Bereichen Imageanalyse, Kundenzufriedenheit und Unternehmenskommunikation ist besonders das Projekt „DemonStraight“ erwähnenswert: Hier war ich über mehrere Jahre an der Schaffung einer innovativen Multimedia-Präsentationssoftware beteiligt und für deren Evaluation verantwortlich. DemonStraight wurde mehrfach prämiert, unter anderem auch mit einem 1. Platz beim „Zukunftswettbewerb Designkonzepte Ruhrgebiet“. Gleichzeitig konnten in diesem Projekt Daten für mehrere Fachveröffentlichungen gewonnen werden.
Im Bereich der Durchführung und methodischen Optimierung verschiedenster Formen von Online-Untersuchungen (von Online-Experimenten über Online-Mitarbeiterbefragungen bis hin zu automatischen Online-Feedbacks), verbindet mich ein langjähriger intensiver Austausch mit Praxispartnern wie der Questback GmbH (vormals Globalpark AG), der tivian GmbH sowie innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung e.V..

Forschungs-Praxis-Transfer

Sowohl aus der angewandten Wirtschaftspsychologie als auch aus meinen methodischen Arbeiten zur Evaluation und dort geschaffen Instrumenten ergeben sich Fragen des Forschungs-Praxis-Transfers. Zum einen interessiert mich, wie psychologisches Wissens den Weg in die Praxis findet; sowohl zu berufstätigen Psychologen, als auch zu anderen Berufsgruppen und in die Allgemeinbevölkerung. Zum anderen möchte ich den Prozess des Forschungs-Praxis-Transfers aktiv mitgestalten. Zur Erreichung unter anderem dieses Ziels habe ich Ende 2010 gemeinsam mit Prof. Dr. Uwe Kanning (Hochschule Osnabrück), Prof. Dr. Fred Rist (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) und Prof. Dr. Stefan Schmukle (Universität Leipzig) die Online-Plattform PsyWeb gegründet; weiterer Projektpartner ist Prof. Dr. Thomas Ehring (ab April 2015 an der LMU München). PsyWeb ist mit derzeit rund 12.000 Mitgliedern aus ganz Deutschland nicht nur eine überaus wertvolle Stütze unserer Forschung bei der Rekrutierung von Probanden via Internet – PsyWeb ist auch eine großartige Chance, psychologische Erkenntnisse in die Gesellschaft zu tragen. Im PsyWeb wird besonderer Wert darauf gelegt, ein möglichst individuelles Feedback an die Teilnehmer zu geben. Jedes PsyWeb-Mitglied kann darüber hinaus auf der PsyWeb-Website Informationen zur Psychologie erhalten und an verschiedenen Selbsttests mit automatischem Feedback zu Themen wie Persönlichkeit, Alkoholkonsum oder Berufsmotiven teilnehmen. Zwei PsyWeb-Tests zu Fakten und Mythen der Psychologie klären über gängige Alltagsmythen auf, und liefern dabei wiederum wertvolle Daten zur Wahrnehmung der Psychologie in der Öffentlichkeit.
Im Bereich Forschungs-Praxis-Transfer in der Wirtschaftspsychologie verbinden mich gemeinsame Projekte mit Prof. Dr. Uwe Kanning (Hochschule Osnabrück), und sowie Torsten Brandenburg und Patrick Mehlich (beide Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung). Aus dieser Kooperation resultieren unter anderem drei Buchprojekte, mit denen wir speziell Studenten und jungen Absolventen wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxisnahe Beispiele der Wirtschaftspsychologie an die Hand geben möchten.
Zum Thema Scientist-Practitioner-Gap laufen derzeit umfangreiche Studien gemeinsam mit Prof. Dr. Guido Hertel (Universität Münster) und weiteren Projektpartnern.

Evaluation und Qualitätssicherung

Evaluation und Qualitätssicherung ist für viele organisationale Kontexte bedeutsam. Meine Arbeiten hier liegen sowohl in der praktischen Anwendung als auch in der Forschung. Neben verscheidenen Tätigkeiten in der Praxis habe ich mich in diesem Feld mehrere Jahre im Hochschulkontext engagiert: Von 2008 bis 2013 war ich mit der Koordination der Evaluationsmaßnahmen und der Qualitätssicherung am Fach Psychologie der Universität Münster betraut. Hier leitete ich das PsyEval-Team, das vor allem semesterweise Bewertungen von Lehre und Prüfungen sowie eine jährliche Studiengangsevaluation vornimmt. Aus dieser Tätigkeit resultiert, neben der Betrachtung spezifischer Fragestellungen, die Publikation einer Vielzahl von Evaluationsinstrumenten: Insgesamt 16 standardisierte Fragebögen sind inzwischen im ZIS-Dokumentationssystem des GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften dargestellt und wir haben in weiteren Publikationen unsere Erfahrungen für andere nutzbar gemacht. Der Erfolg dieser Arbeit wird unter anderem in den CHE-Rankings 2010 und 2013 verdeutlicht: In diesen erhält die Münsteraner Lehrevaluation im Gesamtvergleich der Psychologie an allen Universitäten im deutschsprachigen Raum die die jeweils beste Bewertung.